
Mein Weg in die Selbstständigkeit
Heute erzähle ich euch von meinem Weg in die Selbstständigkeit. Viele von euch haben mich danach gefragt, wie es denn eigentlich dazu gekommen ist, dass ich mich mit jungen Jahren bereits selbstständig gemacht und den Weg in die Selbstständigkeit gewagt habe. In diesem Blogpost erzähle ich von meiner Geschichte, den Ups and Downs und von der Vision, die mich antreibt. Und ich muss euch vorweg sagen: Diese Geschichte zu verschriftlichen fällt mir wahnsinnig schwer.
Mein Leben vor der Selbstständigkeit
Einige von euch wissen ja über meinen Ausbildungsweg Bescheid und für alle, die es nicht wissen, werde ich hier einen kurzen Ausflug in mein Leben vor meiner Selbstständigkeit machen. Als ich mit 19 Jahren meine fünfjährige Ausbildung zur Grafik- und Kommunikationsdesignerin an der Graphischen in Wien abgeschlossen hatte, stellte sich mir die essenzielle Frage: Was will ich denn eigentlich mit meinem Leben anfangen? Die Antwort darauf war klar und deutlich: Ich hab keine Ahnung! Auf der Suche nach mir selbst beschloss ich also erst einmal als Freelancerin im Grafik Design Bereich zu arbeiten und an unterschiedlichen Projekten mitzuwirken.
Das Ganze kann man sich dann ungefähr so vorstellen: Ich saß den ganzen Tag vor einem Computerbildschirm und setzte unterschiedliche grafische Aufträge – hauptsächlich im Editorial Design Bereich – um und war in meinen Pausen überglücklich, wenn ich mit der Kassiererin im Supermarkt sprechen konnte. Tagein tagaus hieß es für mich: digitales Arbeiten, digitales Arbeiten, digitales Arbeiten.
Nach einem Jahr an Zusammenarbeiten mit unterschiedlichen Agenturen in Wien und auch einem längeren Praktikum in einer Werbeagentur in London war mir klar, dass ich für mein Leben nicht glücklich werden konnte, wenn ich weiterhin Tag für Tag vor einem Bildschirm sitzen muss. Ich wusste also noch immer nicht, was ich mit meinem Leben anfangen möchte, aber immerhin wusste ich, was ich NICHT machen möchte.
Der Zusammenbruch
Kurz nachdem ich aufgehört hatte als Freelancerin zu arbeiten, kamen in meinem Leben ein paar unglückliche Umstände zusammen und die bisher härteste Prüfung meines jungen Lebens begann. Die unglücklichen Umstände häuften sich, das eine führte zum anderen und ich fand mich in einer Spirale an negativen Emotionen und körperlichen Problemen wieder. Kurz vor meinem 21. Geburtstag stand ich planlos und mit einer heftigen Depressionen mit keinem Bein im Leben.
Nach drei hässlichen Sommermonaten ohne Selbstliebe, mit zahlreichen körperlichen Beschwerden, verschiedenen Ängsten, schlaflosen Nächten und meine Lebtage im Bett verbringend, war mir klar: Das kann und darf so nicht weitergehen und alleine schaffe ich es hier nicht raus. Und so sprang ich das erste Mal wieder über meinen Schatten und suchte mir therapeutische Hilfe. Nach meiner ersten Therapie-Sitzung wurde mir noch ein weiterer Punkt bewusst… Ich muss was machen! Ich kann nicht nichts tun!
Und somit beschloss ich noch einmal einen anderen Weg einzuschlagen und meldete mich für ein Studium an der technischen Universität Wien an, nämlich Raumplanung und Raumordnung, mit dem Ziel nach meinem Bachelor-Abschluss noch ein Master-Studium zu machen… Das macht man heutzutage ja so, oder?
Ich weiß, dass ich nichts weiß
Insgeheim wusste ich auch zu diesem Zeitpunkt, dass ich eigentlich nichts wusste. Ich wusste nicht, was ich wirklich mit meinem Leben wirklich anfangen möchte. Ich wusste nur, dass ich mich irgendwie ablenken, meine Therapie-Stunden regelmäßig besuchen und auch die ersten Schritte meines steinigen Weges zur Selbstliebe und Verbesserung meines gesundheitlichen Zustandes gehen muss. Die Ablenkung eines Studiums half mir dabei.
Es gab Tage, an denen ging es mir gut. Dann kamen Tage, an denen wollte ich mein WG-Zimmer einfach nicht verlassen. An diesen Tagen versuchte ich mich daran zu erinnern, was mir schon als Kind Spaß gemacht hat und was mich frei fühlen lässt. Ich wollte mich daran erinnern, warum ich die Ausbildung zur Grafikerin begonnen und abgeschlossen hatte. Ich versuchte heraus zu finden, was mir die Freude am Leben zurück bringen konnte.

© Daniel Willinger | dwphoto.at
Der Weg ins neue Leben
Ich dachte wirklich sehr lange darüber nach, wie ich meine Lebensfreude wieder finden kann, aber irgendwann legte sich der Schalter um. Zu dieser Zeit begann ich wieder zu malen, startete die ersten Versuche mit Brushlettering, denn die Welt der Typografie zog mich schon während meiner Ausbildung in ihren Bann. Ich zeichnete, malte und schrieb meine Emotionen in einem kleinen Skizzenbuch nieder. Ein Skizzenbuch, das nur ich kannte und das auch bis zum heutigen Tag nicht mal mein Freund zu Gesicht bekommen hat. Irgendwann traute ich mich dann auch meine Arbeiten, die ich auf Papier und nicht in meinem kleinen Buch fertigte meinen Freunden und Verwandten zu zeigen. Und so startete auch mein neues Leben.
In jeder freien Sekunde, die ich abseits meines Studentenlebens hatte, fand ich mich in der Natur oder an meinem Schreibtisch wieder. Ich malte und schrieb und malte und schrieb. Tag für Tag und immer wenn ich Zeit dafür fand.
Der Neuzugang
Irgendwann merkte ich, dass es mir deutlich besser ging. Ich genoss die Zeit, die ich in Therapie verbrachte, fand meine Freude und mein Glück im Malen und Schreiben wieder und beschloss, dass es Zeit für einen vierbeinigen Freund wäre, der mich auf meinem Weg zurück ins Leben begleitet. Woody wurde Teil meines Lebens. Ein kleiner Rabauke, den mein Freund und ich gemeinsam aus einer Pflegestation in Ungarn retteten, die Hunde aus Tötungsstationen aufnimmt und vermittelt.
Mit dem Neuzugang in meinem Leben begann auch ein neuer Alltag und mein Leben veränderte sich. Gemeinsam mit Woody verbrachte ich viel Zeit in der Natur, malte und schrieb wann auch immer ich konnte, arbeitete neben dem Studium wieder als Grafikerin oder fertige analoge Auftragsarbeiten für Freunde und Verwandte.
Während dieser Zeit stellte ich auch fest, dass mich mein gewähltes Studium nicht glücklich machen würde, denn mir war klar, dass ich in diesem Bereich niemals arbeiten wollen würde. Nach ein paar richtig schlecht bezahlten und anstrengenden Grafik Jobs wurde mir auch klar, dass ich auf keinen Fall mein Leben in einem Angestelltenverhältnis mit fixen Arbeitszeiten verbringen möchte. Schritt für Schritt näherte ich mich also dem Leben, das ich heute leben darf. Noch immer war ich unsicher, was ich wirklich machen möchte, aber mir wurde immer klarer, was ich auf gar keinen Fall möchte.
Der Sprung ins kalte Wasser
Irgendwann stellte ich fest, dass ich wirklich gut bin in dem was ich tue und fand neues Vertrauen in mich selbst und meine Arbeit. Ich liebe es die analogen und digitalen Welten zusammen zu führen und die reine Bildschirmarbeit mit analogem Handwerk zu verknüpfen. Ich merkte, dass es mir unglaublich viel Spaß macht mit Privatkunden zusammen zu arbeiten und mich ihren Wünschen und Vorstellungen anzunehmen, sodass ich visuelle Konzepte erarbeiten und grafisch umsetzen kann. Und somit beschloss ich im Alter von 23 Jahren, dass ich den Sprung ins kalte Wasser wagen würde und den Weg in die Selbstständigkeit einschlage.
„Was soll schon passieren? Entweder es läuft oder es läuft nicht… Mehr kann ja nicht sein, oder?“
Ich legte also mein Studium still, meldete mein Gewerbe an und gründete, gemeinsam mit einer Freundin und Fotografin eine Offene Gesellschaft. Das war alles kein Hexenwerk.

© Daniel Willinger | dwphoto.at
Das erste Jahr Selbstständigkeit
Die Gewerbe waren angemeldet und jetzt ging es um die Konzept- und USP-Findung, aber was möchten wir denn eigentlich mit unserer Selbstständigkeit erreichen? Ich wusste jetzt schon so viel darüber, was ich nicht möchte und nun war es an der Zeit mir Gedanke zu machen, was genau ich bzw. wir – zumindest unternehmerisch – machen möchten.
Zu Beginn der Gründung ging es vorrangig mal darum Fuß zu fassen, die Fixkosten decken zu können und einen kleinen Kundenstamm aufzubauen. Unser Plan war es anfangs also erst mal zu machen… einfach machen und schauen wohin uns der Weg führt. Nach ein paar Monaten Selbstständigkeit trat ich eine 5-wöchige Reise nach Guatemala an. Einerseits um meinen Bruder zu besuchen, den ich über ein Jahr nicht gesehen habe, andererseits um mich selbst zu finden und heraus zu finden, was denn eigentlich meine Vision und mein Ziel ist. Was möchten wir denn mit dieser Offenen Gesellschaft und dem Mix aus Grafik-Design und Fotografie erreichen?
Nach 5 Wochen und einer aufregenden, emotionalen und wachrüttelnden Reise, kam ich zurück im Alltag an und mir war klarer als je zuvor, wie ich mir mein weiteres Leben vorstelle. Schnell kristallisierte sich auch heraus, dass sich auch meine Mitgründerin Gedanken gemacht hat und gerne nochmals studieren gehen würde, um ihren Traum zu verwirklichen. Unsere unternehmerischen Wege trennten sich und wir lösten die Offene Gesellschaft auf. Ich gründete nach einem Jahr Offener Gesellschaft im Herbst 2017 also ein Einzelunternehmen und war voller Tatendrang und Elan, um meine Vision für die Zukunft zu verwirklichen.
Meine Vision
Im Bereich Grafik Design ist mir völlig klar, welchen Arbeitsansatz ich liebe. Ich möchte die analoge Welt des Handwerks mit den digitalen, schnelllebigen Technologien verbinden, um einzigartige, visuelle Erscheinungsbilder zu konzipieren und kreieren. Ich möchte durch mein Workshop-Angebot mein Wissen zu den Themen Lettering und Aquarellmalerei weitergeben und meine TeilnehmerInnen durch mein grafisches Wissen mit Tipps und Tricks versorgen, die sie bei keinen anderen Workshops bekommen.
Aber was ist meine Langzeit-Vision im Bezug auf meine Selbstständigkeit?
Meine Vision ist es Frauen dafür zu motivieren an sich selbst zu glauben und sie auf ihrem Weg zu ihrem kreativen Ausgleich und der Findung der kreativen Seele zu begleiten. Ich möchte anhand meiner eigenen Geschichte aufzeigen, dass man mit der Hilfe von kreativen Tätigkeiten auch in der dunkelsten Zeit wieder Licht sehen und seinen meditativen Ausgleich zum stressigen Alltag finden kann. Ich möchte Frauen zeigen, dass sie alles schaffen können, wenn sie Ausdauer und den Glauben an sich selbst haben.
Auch wenn du gerade nicht an dich selbst glaubst, will ich, dass du eines weißt: Ich glaube an dich! Ich glaube, dass du alles schaffen kannst, wenn du dich traust die ersten Schritte zu gehen. Ich glaube daran, dass auch du dich selbst und deinen Lebenssinn finden wirst, auch wenn der Weg bis dahin steinig ist. Gib‘ nicht auf und gehe einen Schritt nach dem anderen!
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